Kai Diekmann begeistert im Aurelium

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Ehemaliger BILD Chefredakteur zu Gast bei der Jungen Union Lappersdorf

Lappersdorf. Kai Diekmann ist bis heute der längst amtierende Chefredakteur der BILD-Zeitung, Europas größter Boulevard-Publikation. Mehr als ein Jahrzehnt bestimmte er in dieser Funktion maßgeblich, was die vielen Millionen Leser des Blatts täglich als Neuigkeiten zu Gesicht bekommen. In seinem neuen Buch „Ich war BILD“ erzählt Diekmann über diese Zeit – über ein Leben zwischen Schlagzeilen, Skandalen und Staatsaffären.

Ein volles Haus im Aurelium Lappersdorf, ein gespanntes Publikum und ein äußerst prominenter Gast: Ende Januar veranstaltet die Junge Union Lappersdorf ein Gespräch mit Buchvorstellung des legendären BILD-Journalisten Kai Diekmann. Kaum einer war so vernetzt, so umstritten, so berühmt, so erfolgreich und zeitweise so verhasst und gefährdet wie er. Franz Rumstadt, Ortsvorsitzender der JU Lappesdorf, moderierte durch den Abend.

Zum Erfolg trugen dabei nicht nur die engagierten Mitglieder der Jungen Union bei: Die Garderobe übernahmen die Festdamen der Freiwilligen Feuerwehr Oppersdorf, um den Getränkeausschank kümmerten sich die Gymnasiasten des Abiturjahrgangs aus Lappersdorf.

Putin – falsch eingeschätzt?

Diekmann und Rumstadt arbeiteten sich in den zwei Veranstaltungsstunden systematisch durch das Buch von Diekmann. Der fast 60-jährige Mann, der mittlerweile in Potsdam lebt und die PR-Agentur Storymaschine leitet, nahm das Publikum mit durch die großen Kapitel seiner Journalisten-Karriere, las Auszüge vor und ließ sich auf ein Gespräch mit dem Moderator ein.

Beeindruckend berichtete Diekmann etwa von seinen Begegnungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Mehrmals hatte er diesen interviewt – vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Kai Diekmann erklärte den Zuschauern seine Überlegungen: Haben wir Putin jahrelang missverstanden oder gar unterschätzt? Manches hätte in der Retroperspektive vielleicht anders interpretiert werden können. Ungewöhnlich, so berichtete Diekmann, seien die Begegnungen mit Putin aber jedes Mal gewesen: etwa als dieser nach einem Interview zum gemeinsamen Schwimmen und Jetski-Fahren eingeladen hatte. 

Der Fall Wulff und ein folgenschwerer Anruf

Ähnlich ungewöhnlich: ein deutscher Bundespräsident, der einem Medium droht, sollte es zu gewissen Berichterstattungen kommen. Der Fall Wulff ist noch vielen Besuchern des Gesprächs selbst geläufig. Damals stolperte der CDU-Mann Christian Wulff über eine folgenschwere Mailbox Nachricht auf die Nummer von Kai Diekmann.

Ein Höhepunkt des Abends: Der Buchautor spielte das Originaltape des Anrufs von Wulff im Aurelium vor. Die Stimme des ehemaligen Präsidenten ertönte durch Lappersdorf – viele Gäste waren erstaunt. Über das Verhalten Wulffs, die Einordnung Diekmanns, wie er damals agieren musste und auch über das bekannte Ende der Präsidentschaft.

Über Penisse und die taz

Launig startete das Duo Diekmann-Rumstadt dann nach der Pause. Nachdem der Moderator die Gäste in ebenjene Pause mit einem Vorgeschmack verlies, war die Spannung auf das Folgende verständlich immens: „In 20 Minuten sprechen wir darüber, was es mit einer angeblichen Penis-Operation von Kai Diekmann auf sich hat“.

Diese angebliche OP war Gegenstand eines viel zitierten – und vollständig erfundenen – Artikels der Berliner Tageszeitung taz. Als Intim- und Lieblingsfeind Kai Diekmanns positionierte sich das eher links ausgerichtete Medium mehrfach und überzeugt. Auch über das Denkmal „Friede sei mit dir“ sprach Diekmann gerne: Noch heute ziert das taz-Verlagsgebäude eine Statue mit übergroßem Fallus. Das Gesicht des Abgebildeten gleicht dabei dem Gast des Abends in Lappersdorf: Kai Diekmann.

Zum Ende des Kapitels wagte dieser dann ein Bekenntnis: Er selbst sei Fan der taz. Diese habe es als einziges echtes Boulevard-Medium in Deutschland – neben der deutlich einflussreicheren BILD – immer wieder geschafft, ihn selbst mit gekonnt humoristischen und zugespitzten Schlagzeilen zu begeistern. Eines seiner Lieblingsbeispiele: die Kommentierung zu den damals schleppenden Baufortschritten des Berliner Flughafens – „Berlin kriegt keinen hoch“.

Kind im Hause Kohl: die Jahre mit dem Kanzler der Einheit

Obwohl Diekmann und Rumstadt mehr als eineinhalb Stunden Dialog führten, blieb das Publikum bis zum Schluss des Abends gespannt und aufmerksam. Zu ungewöhnlich, zu mitreißend und zu spannend waren die Memoiren des ehemaligen BILD Chefredakteurs.

Einen Höhepunkt fanden dessen Ausführungen zu Ende der Veranstaltung. Kai Diekmann war ein enger Vertrauter und Begleiter des langjährigen Bundeskanzlers Helmut Kohl – man könnte sagen: Die beiden waren Freunde.

Diekmann erläuterte, wie er Kohl schon als Schülerzeitungs-Schreiberling und vor dessen Kanzlerschaft interviewte, wie er als junger Journalist einst zufällig im Wagen des Kanzlers landete und wie sich das gemeinsame Vertrauensverhältnis aufbaute.

Als Diekmann aus dem letzten Kapitel des Abends vorlas, hätte man eine Stecknadel auf den Boden des Aureliums fallen hören können: Er nahm die Zuhörer mit an das Totenbett von Helmut Kohl. Ließ sie teilhaben an seinen Gedanken und Gefühlen. Und berichtete über eine seiner schwierigsten Management-Aufgaben in diesem Moment: Er soll die Beerdigung des Kanzlers der Einheit organisieren.

Und wie so oft an diesem spannenden und eindrucksvollen Abend fühlten sich die Besucher der Jungen Union Lappersdorf als hätten sie nicht einem ehemaligen Journalisten zugehört – sondern als wären sie selbst dabei gewesen.

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